Donnerstag, 28. März 2013

Für Enten-Schwärmer: Citroën 2CV Typologie & Kaufberatung



Eine Ente wollte ich schon immer mal haben. Doch da wird wohl nix draus. Erstens, weil ich seit einer Probefahrt weiß, dass ich in der französischen Dünnblechbüchse tatsächlich seekrank werde. Und zweitens, weil „la Deuche“ im Verhältnis zum verbliebenen Bestand mittlerweile so teuer ist, dass ich mir den Spaß lieber spare.
Wer indes mutiger ist als ich, und zudem auf Enten-Jagd einen Batzen Geld verbraten möchte, muss auf der Hut sein: Die Idee „kleines Auto – kleine Kosten“ funktioniert bei der Ente genauso wenig wie bei allen anderen Kleinwagen. 


Genau da setzt dieses neue Standardwerk an, das mit ungewöhnlicher Vollständigkeit alles auflistet, was 2 CV-Anwärter wissen möchten: Alle Modelländerungen, einen Seltenheits-Index, eine wirklich umfangreiche Kaufberatung, Schrauber-Tipps – und viele, viele Fotos. Natürlich ist „Citroën 2CV – Typologie & Kaufberatung“ kein Buch, das sich zur Unterhaltung lesen ließe. Eher finden Neulinge hier eine detailreiche Einführung in die Welt der Minimal-Motorisierung à la Döschwo, und Sammler ein profundes Nachschlagewerk. 


Entstanden ist es übrigens mit dem Know-how alter Enten-Hasen und in deutsch-französischer Gemeinschaftsproduktion: Verleger Hans-Jürgen Schneider lebt in Frankreich, ein Gutteil des technischen Inhalts besorgte die Redaktion des französischen Oldtimermagazins GAZOLINE.


Ob hier noch Wünsche offen bleiben, können nur absolute Spezialisten sagen. Doch die Chancen zum neuen 2CV-Standardwerk stehen bestens – denn so ein Enten-Buch gab‘s noch nie!


Jean-Patrick Baraillé u.a.: Citroen 2CV – Typologie & Kaufberatung. 168 Seiten, Format 22,5 x 27,5 x 1,8 cm, Hardcover, Schneider Media (Vertrieb Delius Klasing), 34,90 €, ISBN 978-3-7688-5803-8

Dienstag, 12. März 2013

Groß und teuer: The BMW Book


30 x 37 cm! Dieser Bildband ist wahrlich kein Taschenbuch. Laut Klappentext vielmehr „ein unverzichtbarer Band für BMW-Fans und alle, die sich für Automobilgeschichte interessieren“. Ich widerspreche: Dieses Buch ist verzichtbar, sowohl für BMW-Fans als auch für historisch Interessierte.


Herausgeber ist BMW selbst. So entfällt das erste Drittel auf die aktuelle BMW-Modellpalette (mit Bildern, die aus Verkaufsprospekten bekannt sein dürften), das letzte auf Motorräder und Concept Cars. In dem Drittel dazwischen feiert BMW seine glorreiche Vergangenheit. Die Texte – auf Englisch, Deutsch und Chinesisch – sind nicht mehr als nichtssagende Bildlegenden, die sich inflationär häufig des Wortes „erfolgreich“ bedienen. Erkenntnisgewinn? Gleich Null.


Das gilt auch für die Bilder selbst. Zugegeben, die sind wirklich toll und kommen aufgrund der Größe des Buches auch hervorragend zur Geltung. Doch neu oder besonders originell sind sie nicht. Ebenso durchschnittlich ist die handwerkliche Verarbeitung des Buches, dessen silbrig glänzender Einband einfach billig wirkt und den hohen Preis kaum rechtfertigen kann.


Maximilian Schöberl, Leiter Kommunikation und Politik bei BMW, schreibt in seinem Vorwort: „Dieses Buch ist kein technisches oder historisches Nachschlagewerk. Im Gegenteil: Es soll beim Leser wecken, was auch uns bewegt – Die Leidenschaft für Mobilität“. Na, die Kurve hat er ja gerade nochmal gekriegt.

Fazit: Als Image-Katalog mag „The BMW Book“ vielleicht gute Dienste leisten. Mit 98,00 Euro ist es aber auch frech teuer. Denn das unverzichtbar Außergewöhnliche sucht man auf 300 Seiten vergeblich.

The BMW Book, teNeues Verlag, 304 Seiten, Hardcover, 319 Farb- und 45 s/w-Fotografien. Format 30 x 37 x 3,2 cm, Text Englisch, Deutsch, Chinesisch. ISBN: 978-3-8327-9616-7. Preis: 98,00 Euro.


Donnerstag, 7. März 2013

Halber Preis: Bücher von Veloce


Bücher von Veloce Publishing sind typographisch und handwerklich keine Berühmtheiten. Um ehrlich zu sein, finde ich sie manchmal sogar ziemlich schlecht gemacht. Aber so ist das eben, wenn ein Verlag ohne Buchpreisbindung kalkulieren muss. 

Dass es in England keine festen Ladenpreise gibt, macht anlässlich des World Book Day am heutigen 07. März 2013 allerdings auch Aktionen wie diese möglich: 50% Preisnachlass auf 25 ausgesuchte Veloce-Bücher! Das Angebot gilt noch bis morgen, 08. März, 9:00 Uhr (englischer Zeit).

Bilder: Veloce Publishing

Donnerstag, 14. Februar 2013

Windschlüpfrige Form, teuer verpackt: Stromlinie



Rückblende: Beim ADAC Motorwelt Autobuch Preis 2012 gab es in der Kategorie „Design“ gleich zwei Gewinner. Das unsägliche „Mercedes-Benz 300 SL Book“ von René Staud und dieses hier: „Stromlinie“, von Malte Jürgens und Michel Zumbrunn. Das Fazit der Jury damals: „Alle Leute, die sich dafür interessieren, sollten es sich ins Regal stellen, und sie sollten es rasch tun, denn es gibt nur 1000 Stück. Die gute Nachricht: Sie haben was Rares. Die schlechte: Es kostet 300 Euro.“


Knappe vier Monate später ist das Buch immer noch nicht ausverkauft; wer also nicht „rasch“ in die nächste Buchhandlung rannte, scheint keinen Fehler gemacht zu haben. Da drängt sich doch die Frage auf, ob „Stromlinie“ vielleicht einfach zu teuer ist?
Zum Hintergrund: 2009 zeigte das Hamburger Automuseum Prototyp eine Ausstellung mit immerhin 25 Stromlinien-Autos. Neben den üblichen Verdächtigen – wie z.B. Autobahn-Adler oder BMW 328 Mille Miglia Coupé – waren auch erquicklich viele Exoten dabei: Kamm K3-Wagen, Goliath GP 700 Sport oder Volkhart Sagitta sind nicht alle Tage an einem Fleck versammelt. 


Unter diesen Voraussetzungen konnte „Stromlinie“ kein schlechtes Buch werden, im Gegenteil: Autor Malte Jürgens legt das Thema unterhaltsam dar, ohne technische Hintergründe vermissen zu lassen. Fotograf Michel Zumbrunn betont vor schwarzem Hintergrund die Formen der Autos. Lobenswert auch die typografische Gestaltung: In weiß auf schwarzem Grund gesetzt, ist die Schrift problemlos lesbar, und eine Doppelseite schmückt sich auch mal ohne Bild. Ein vortrefflicher Schmöker, den man gerne zum Blättern hervorholt.


Trotz der hochwertigen Fotografien fehlt es dem Buch aber ausgerechnet an...Bildern: Auf 324 Seiten scheint kein Platz für historische Fotos geblieben zu sein; nur wenige finden sich hier und da, als seien sie notgedrungen noch irgendwie untergebracht worden. Nun ist historisches Bildmaterial in einem Buch, das kein „Fachbuch“ oder Nachschlagewerk sein will, natürlich nicht zwingend notwendig; andererseits fehlt es dem Buch an eben jenem „gewissen Etwas“, das den Preis von 298 Euro rechtfertigen könnte: Schon die Größe (24 x 32,5 cm Querformat) beeindruckt wenig, steht im Regal hinter weit banaleren Titeln (aber eben größeren) Büchern zurück. Auch was die Druckveredelung und die übrige Ausstattung angeht, kann „Stromlinie“ mit keiner Revolution aufwarten.


Zum Vergleich: Das Buch „Facel Vega – L‘histoire complète“ (erschienen im November 2012) ist auf 500 Exemplare limitiert, umfasst zwei Bände mit Schuber, genießt in Fachkreisen hohes Ansehen als einmaliges Referenzwerk, ist hochwertig ausgestattet. Und bereits vergriffen – bei einem Preis von „nur“ 250 Euro!


Fazit: „Stromlinie“ bietet guten Durchschnitt zum hohen Preis. Angemessen wäre vielleicht eine höhere zweistellige Euro-Zahl, denn unterm Strich fehlt es für die gewählte Preisklasse entweder am inhaltlichen, oder am materiellen Mehrwert. Ein Buch wird nicht allein durch eine limitierte Auflage und einen hohen Preis begehrenswert; unverständlich, wieso ausgerechnet der Motorbuch Verlag diesem Irrglauben erlegen ist. Da bleibt nur zu hoffen, dass etwas von der „Stromlinien-Qualität“ auf das übrige Verlagsprogramm abfärbt.

Malte Jürgens, Michel Zumbrunn: Stromlinie. 324 Seiten, 180 Abb., Format 24 x 32,5 x 2,8 cm, Hardcover (Leinen) im Schuber, Motorbuch Verlag, 298,00 €, ISBN 978-3-613-03122-7, limitierte Auflage (1000 Stück).

Weitere Informationen: 

Mittwoch, 30. Januar 2013

Video: The Automotive Authors Book Fair 2012

In der Automotive Hall of Fame in Dearborn/Michigan findet jährlich eine kleine Auto-Buchmesse statt, zuletzt am 17. November 2012. In diesem Video kommen einige Autoren zu Wort und stellen ihre Projekte vor – manche davon sind sicher auch für europäische Leser interessant!

Dienstag, 22. Januar 2013

ROOAR und VROOOM: Michel Vaillant ist wieder da!

Cover der Neuauflage in der Zack-Edition

Mit 70 Renn-Abenteuern in 54 Jahren gehört Michel Vaillant zu den erfolgreichsten Comic-Helden aller Zeiten. Der Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag (ja, so heißt er wirklich!) hat – auch von mir unbemerkt – in den letzten Jahren all jene Vaillant-Alben herausgebracht, die bisher noch nicht auf Deutsch erschienen waren. Jetzt macht er sich daran, das Vaillant-Epos ab Ausgabe 1 neu aufzulegen.

Bild: Verlag
In seinem ersten Abenteuer muss Michel dem Amerikaner Steve Warson erst die Stirn bieten, bevor die beiden Freunde werden können: Eine Zeitung fordert zum Duell „Europa gegen Amerika“, um ein für alle mal zu klären, welcher Kontinent wohl den „besten Rennfahrer der Welt“ hervorbringe. Zu dieser „großen Herausforderung“ ließ sich Autor Jean Graton vom „Race of two Worlds“ inspirieren, das 1957 in Monza ausgetragen wurde. 
Bild: Verlag
Auf 65 Seiten gibt es Autorennen satt – allerdings drängt sich in kleinteiligen Bildfolgen ungewohnt viel Text im betulichen Duktus der 50er: Die Geschichte erschien zunächst als Fortsetzungsserie im Comicmagazin Tintin – mit nicht mehr als zwei Seiten pro Woche...

Der Leser erfährt all diese Hintergründe in einem umfangreichen Nachwort, das die Entstehungsgeschichte der Vaillant-Comics allgemein, sowie den Handlungsverlauf der „großen Herausforderung“ analysiert und die Bezugspunkte zur realen Welt herausfiltert. Das versucht auch dieses Schauplatz-Video:

Übrigens ist in der Neuauflage auch noch eine Seite enthalten, die in früheren Alben-Veröffentlichungen der „großen Herausforderung“ immer fehlte: Sie war der 1958er EXPO in Brüssel gewidmet und trägt somit nicht wesentlich zum Handlungsverlauf bei. Doch das wohlige Gefühl der Vollständigkeit ist sicher noch ein Grund mehr, ab sofort eine Vaillant-Sammlung zu beginnen – sofern man nicht schon eine zu Hause hat, natürlich! Ach ja: ein brandneues Abenteuer wird gerade vorbereitet – dazu demnächst mehr.
Fazit: Ein Fest für große Jungs: Michel Vaillant ist wieder da! Da ist das Taschengeld bestens angelegt.

Jean Graton: Michel Vaillant (Band 1): Die große Herausforderung. 68 Seiten, Format 29,5 x 21,5 x 0,5 cm, Paperback, Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag, 17,00 €, ISBN 978-3-8646-2021-8 


Dienstag, 15. Januar 2013

Zum Stöbern und Blättern: Das Auto-Buch

Frankfurter Buchmesse 2012: "Das Auto-Buch" zwischen Wein und Weltall

Schon mutig, dieser Titel: „Das Auto-Buch“ klingt irgendwie endgültig und nach „Maß aller Dinge“. Und dann soll es auch noch eine „große Chronik mit über 1200 Modellen“ sein. Ob dieser Schinken auch nur ansatzweise halten kann, was er verspricht?

Veredelter Einband mit Prägung
Betrachten wir den 360-Seiten-Wälzer mal ganz von vorne. Effektvoll nimmt das Cover Kontakt zum Leser auf; es will angefasst werden: Glänzend wölbt sich der Aston Martin aus dem Buchdeckel hervor, der weiße Hintergrund ist leicht rau und erinnert haptisch an ein Armaturenbrett.
Im Inhaltsverzeichnis wird dann klar, inwiefern sich das Buch als „Chronik“ versteht: Zehn Teile gibt es, die jeweils ein Jahrzehnt umfassen (bis auf den ersten Teil, der von „Frühen Automobilen bis 1920“ handelt). 
Bis zu 17 Autos auf einer Seite – da gibt es viel zu entdecken
1200 Autos auf 360 Seiten zu packen ist dann aber trotzdem irrwitzig: Auf thematischen Doppelseiten drängen sich bis zu 17 Fahrzeuge, z.B. „US-Stilführer“, „Luxuriöse Sportwagen“ oder „Schrägheckmodelle“. Platz bleibt da nur für die Angabe des Herkunftslands, die Anzahl der Zylinder samt deren Inhalt in cm³, sowie die Höchstgeschwindigkeit. Weitere Kapitel sind den wichtigsten Motoren (!) und Marken der Automobilgeschichte gewidmet.
Auch den Alfa Romeo 6C 1750 gibt's in allen Details zu sehen
Internationale Evergreeens wie VW Käfer, Jaguar E-Type oder Citroën DS werden zusätzlich in allen Details gezeigt; auch der Tata Nano ist mit von der Partie, denn der Verlag unterhält Dependancen in London, New York, Melbourne, München – und Delhi. Will heißen: „Das Auto-Buch“ erscheint in allen Weltsprachen und wird rund um den Globus vermarktet. Das erklärt den hohen Amerika- und England-Anteil. Und ist wohl auch die Ursache für das völlige Fehlen eines Trabant 601 – wahrscheinlich wurde er einfach vergessen.
Mal was neues: Motoren-Porträts!
Fazit: Gestalter „richtiger“ Autobücher könnten sich das ein oder andere abschauen. Mit seinem lebendigen Layout transportiert „Das Auto-Buch“ nämlich ganz hervorragend all das, was wir am Auto so lieben: Formen, Farben, Motoren. 

Wiederholtes Blättern und Stöbern macht Spaß. Die Wahrscheinlichkeit, dabei immer wieder etwas neues zu entdecken, ist durchaus hoch – da ist es ausnahmsweise zu verschmerzen, dass es sowohl an Tiefgang, als auch an inhaltlicher Präzision mangelt.
Giles Chapman (Hg.): Das Autobuch. Die große Chronik mit über 1200 Modellen. 360 Seiten, ca. 1.800 Abb., Format 30,5 x 25,5 x 3 cm, Hardcover, Dorling Kindersley, 29,95 €, ISBN 978-3-8310-2206-9


Freitag, 7. Dezember 2012

Druckfrisch: Autobücher in AUTO BILD KLASSIK 1/2013

50 der besten Autobücher aller Zeiten – zu finden in AUTO BILD KLASSIK 1/2013

Ab heute ist Ausgabe 1/2013 von AUTO BILD KLASSIK am Kiosk. Und die hat‘s mal wieder in sich: Auf 10 (!) Seiten stellen meine Kollegen und ich unsere 50 Lieblings-Autobücher vor. Wer für die nahen Feiertage also noch Lesestoff sucht, wird hier sicher fündig.
Weil unsere Auswahl der 50 „besten“ Autobücher aller Zeiten natürlich nicht endgültig repräsentativ ist, seid einmal mehr ihr als Leser gefragt: Welche sind eure Lieblingsbücher und warum? Die Redaktion freut sich über Zuschriften an: klassik@autobild.de, Stichwort: Bücher.
Heft 1/2013 ist noch bis zum 3. Januar im Handel erhältlich
Tipp: www.booklooker.de und www.zvab.com sind praktische Bezugsquellen für antiquarische Bücher; aktuelle Titel kann jede Buchhandlung über Nacht bestellen.
Ach, ja: Nachfolgend findet ihr einen Gastbeitrag von Sigrun Putjenter, die sich bestens mit Autos und Kinderbüchern auskennt! 

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Bibliotheksschätze: Auto-mobil durchs Kinderbuch

Gastautorin Sigrun Putjenter ist wissenschaftliche Bibliothekarin an der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und war 2010/2011 Mitglied des Leserbeirats von Auto Bild. In ihrer Freizeit schreibt sie für Roundel, das Magazin des BMW Car Club of America. In dem folgenden Beitrag hat sie nicht nur ihre beiden Leidenschaften verpackt (nämlich Kinderbücher und Automobile), sondern auch noch eine umfassende Bibliographie beigefügt. Herzlichen Dank!
Die Entwicklung der ersten motorbetriebenen Fahrzeuge bedeutete im 19. Jahrhundert eine Sensation. Dementsprechend erschienen die ersten Berichte über derartige Innovationen in Presseerzeugnissen wie der Familienzeitschrift „Die Gartenlaube“ (z.B. Jg. 1880, S. 642). Jungenzeitschriften, darunter „Das neue Universum“ (ab 1880) und „Der gute Kamerad“ (ab 1887), können als die ersten Anbieter kurzer Sachtexte angesehen werden.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Faul, aber herzlich: Der ADAC Motorwelt Autobuch-Preis 2012


Es gehört Mut dazu, wenn man zur Jury eines Buchpreises gehört und sich selbst zum Preisträger machen lässt. OK, ganz so einfach liegen die Dinge beim diesjährigen ADAC Motorwelt Autobuch-Preis vielleicht nicht. Doch der Duft nach faulem Wettbewerb liegt trotzdem in der Luft...

Der ADAC Motorwelt Autobuch-Preis wurde 2012 zum zweiten Mal verliehen. Auf der Frankfurter Buchmesse. Nicht auf einer großen Automesse. „Weil‘s da keinen interessiert“, wie Initiator, Jurymitglied, Laudator, Autor und Preisträger Jürgen Lewandowski auf Nachfrage wissen ließ. Sein Buch „Die Sportwagen von Toyota – Vom Sports 800 bis zum GT 86“ holte in
der Kategorie „Design“ den zweiten Preis.
 
Thomas Burkhardt, Christian Grundmann, Clauspeter Becker, Axel Struwe, Jürgen Lewandowski und "Der erste Brezelkäfer" – 1. Preis in der Kategorie Marke/Typen
Die Urkunde dafür ließ sich Lewandowski vom ADAC-Vizepräsident für Technik, Thomas Burkhardt, überreichen. Lewandowski sei ein Verfasser von „hervorragenden Büchern“, lobte dieser, „und ihn hier nur deswegen auszuschließen, weil er in der Jury sitzt oder weil er das ganze mit eingeleitet hat, wäre aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt.“
Noch bizarrer erscheint, dass Platz 1 der Kategorie gleich an zwei Titel vergeben wurde: Zum einen an „Stromlinie“ von Malte Jürgens und Michael Michel Zumbrunn, und dann noch an „The Mercedes-Benz 300 SL Book“ von René Staud, für das Lewandowski kurze Texte verfasst hatte.
Das letztgenannte Buch polarisiert: Wer auf bonbonfarbene Studio-Ästhetik im Schulterpolster-Stil der 80er Jahre steht, wird es lieben. Wer die Sache nüchtern betrachtet, findet einen 98 Euro teuren Großformat-Bildband vor, der weder typografisch, noch in Sachen Druckqualität über Grabbeltisch-Niveau hinauskommt.
Tom van Endert vom Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat konnte sich über gleich zwei Preise freuen
Und das, obwohl die Kategorie Design zwei Seiten habe, wie Laudator Lewandowski erläuterte: „Einmal Bücher über Autodesign. Und dann geht es auch darum – da hat Herr Professor Hufnagl ganz starken Einfluss drauf (Mitglied der Jury und Sammlungsdirektor Design der Pinakothek der Moderne in München, d. Verf.) – wie Bücher gestaltet sind: Typografie, Optik, Erscheinungsbild, usw.“ Nunja...
Doch es gibt auch Erfreuliches zu berichten. So konnte sich der Münsteraner Verlag Monsenstein & Vannerdat (nicht Vanderratt, liebe Laudatoren) über gleich zwei Preise freuen: „Motorrad-Straßen-Rennsport in Deutschland 1946–1950“ in der Kategorie Motorsport/Rennsport, sowie „Auto-Mobilität: Wie der Mensch das Laufen verlernte – 500.000 v.Chr. Bis heute“. Beides gigantische, mutige Projekte, für die Verlag und Autoren größtes Lob verdienen.
Bart Lenaerts und Lies de Mol nahmen nach "Waft 2" (2011) auch in diesem Jahr einen Preis mit nach Hause
Genauso verdient ist auch der Sonderpreis für die Faksimile-Ausgabe der „Einteilung der Rotations-Kolbenmaschinen“ von Felix Wankel, die der kleine Pagma-Verlag um den Künstler Klaus-Dieter Eichler in faszinierender Authentizität umgesetzt hat. Und dann wäre da noch das Buch „Ever since I was a young boy I‘ve been drawing cars – Die besten Autodesigner der Welt und wie sie wurden was sie sind“ mit dem Bart Lenaerts und Lies de Mol nach „Waft 2“ auch in diesem Jahr einen Preis abstauben konnten – allerdings in der Kategorie „Biographie“.
Sonderpreise für Titel wie „Deutschland schafft das Auto ab“ und „Krötenmord“ (s.u.) unterstreichen nichtsdestoweniger die Bereitschaft der Jury, nicht nur dem Mainstream zu huldigen. Über 50 Einsendungen habe es dieses Jahr gegeben, ließ Lewandowski kurz vor Schluss noch wissen, darunter auch Projekte wie das des Archivars der Stadt Saarbrücken, der ein Buch über 125 Jahre Mobilität in der Stadt Saarbrücken herausgebracht hat. Und an dieser Stelle sei ein Vorschlag zur Güte erlaubt: Wieso keine Long- und Shortlist anstreben, wie beim Deutschen Buchpreis? Verlagen und Buchhandel tut dieses Verfahren erwiesenermaßen gut, weil es die Titel öfter in die Medien und in den Sinn der Käufer bringt. Und darum geht‘s doch schließlich.

Hier noch ein paar Zitate zum Selbstauswerten, entnommen aus der Eröffnungsrede von ADAC Motorwelt-Chefredakteur Michael Ramstetter:

„...wollen wir Ihnen in der Folge einige ganz herausragende, unterhaltsame, aber auch durchaus informative und aktuelle Autobücher vorstellen“

„Treibendes und organisierendes und sehr dominantes Jurymitgleid war natürlich mein Freund Jürgen Lewandowski, den wir auch in der ADAC Motorwelt und auch bei den ganzen Publikationen, die im ADAC Verlag erscheinen, als Berater und Ideengeber sehr schätzen.“

„Alle 19 Preisträger, Autoren und Verleger erhalten jetzt gleich ihre Preise in Form einer Urkunde. Ein Preisgeld […] gibt es leider bei diesem Preis nicht. Das ist ein rein ideeller Preis, der aber durchaus materielle Vorzüge hat. Denn ich verrate Ihnen jetzt schon, dass wir in unserer Dezember-Ausgabe der Motorwelt und verschiedenen digitalen Kanälen für die Preisträger Rezensionen abdrucken, sodass sie im Weihnachtsgeschäft durchaus damit rechnen können – bei den hohen Auflagen, die der ADAC mit seinen Publikationen erzielt – dass sie das ein oder andere Buch an Menschen verkaufen können, die bisher von den Büchern nichts wussten. Sie kriegen von uns also eine mehr oder weniger durchaus wertvolle Marketing-Leistung geboten. Der wahre Wert des ADAC Autobuch-Preises liegt also in den Veröffentlichungen, die wir dafür vornehmen.“

Jürgen Lewandowski mit den Preisträgern 2012

Die Preisträger 2012
Die kursiven Zitate sind – sofern nicht anders vermerkt – den Laudationen von Jürgen Lewandowski entnommen.

Marke/Typen

1. Clauspeter Becker/Axel Struwe/Christian Grundmann: Der erste Brezelkäfer – Wiederauferstehung eines Prototypen von 1938. Delius Klasing, 29,90 €.
„Die Jury war von dem Buch deswegen begeistert, weil es ja heutzutage eigentlich mehr als unwahrscheinlich ist, dass jemand in Litauen einen auf Neu gequälten Käfer sieht, und erkennt, dass sich darunter ein Prototyp von 1938 befindet. Der dieses Auto aus Litauen zurückholt und […] in einer liebevollen Restaurierung wieder in den Originalzustand versetzt. Und es war einfach auch eine glückliche Idee, hervorragende Autoren und Fotografen die Restaurierung dieses Wagens, dieses Stücks deutscher Automobilgeschichte, verfolgen zu lassen.“
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2. Joe Sackey: Lamborghini Miura – Die Geschichte eines Traumsportwagens. Heel, 69,95 €.
„Zum Miura muss man nichts sagen. […] Dieses Auto ist fast 50 Jahre alt und ist bis heute eine der ganz großen Ikonen. Joe Sacky, der selber der glückliche Besitzer von mehreren Miuras ist, hat die Geschichte dieses Wagens fantastisch geschrieben, mit fantastischen Fotos.“

3. Ulf Kaack: Borgward – Das Kompendium. GeraMond Verlag, 29,95 €.
„Die gesamte Jury war überzeugt von diesem Buch, weil‘s einfach die Geschichte einer leider nahezu vergessenen Marke in den Vordergrund rückt.“


Design

1. René Staud/Jürgen Lewandowski: The Mercedes-Benz 300SL Book. TeNeues Verlag, 98,00 €. „René Staud hat sich schon mit vielen seiner Bilder einen ganz großen Namen gemacht. Er setzt die Fahrzeuge so in Szene, dass sie plastisch vor einem stehen, und dass man sie wirklich glaubt, greifen zu können.“ (Thomas Burkhardt)

1. Malte Jürgens/Michel Zumbrunn: Stromlinie. Motorbuch Verlag, 298,00 €.
„Das Buch ist wirklich außergewöhnlich. Es beruht auf einer Ausstellung in Hamburg und was daraus gemacht wurde ist erstaunlich. Alle Leute, die sich dafür interessieren, sollten es sich ins Regal stellen, und sie sollten es rasch tun, denn es gibt nur 1000 Stück. Die gute Nachricht: Sie haben was Rares. Die schlechte: Es kostet 300 Euro.“
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2. Jürgen Lewandowski: Die Sportwagen von Toyota – Vom Sports 800 bis zum GT 86. Delius Klasing, 39,90 €.
„Auch die japanischen Fahrzeuge verschwinden noch im Dunkel der Geschichte. [Besonders in den Anfängen] wurde ganz bemerkenswertes geschaffen. Dieses Buch ist ein Buch, das in erster Linie das Design zeigt. Das nicht so sehr die detaillierte Geschichte aufzeigen, sondern Begeisterung für die Anmut dieser Fahrzeuge wecken will, und das ist sehr gut gelungen.“ (Thomas Burkhardt)

3. Paolo Tumminelli: Car Design America – Myths Brands, People. TeNeues Verlag, 49,90 €. „Wenn man die hunderten von Fotos sieht und erkennt, was die Amerikaner alles gemacht haben, ist das sehr beeindruckend und ein wirklich schönes Buch über die Geschichte des amerikanischen Autodesigns.“




Biographie
1. Bart Lenaerts/Lies de Mol: Ever since I was a young boy I‘ve been drawing cars – Die besten Autodesigner der Welt und wie sie wurden, was sie sind. Delius Klasing, 59,90 €.
„Das Buch ist völlig alleine bei den Autoren entstanden, und die beiden sind einfach großartig.“
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2. Elmar Brümmer/Ferdi Kräling: Sebastian Vettel – Das Leben eines Formel 1-Idols. Delius Klasing, 29,90 €.
„Die Jury ist der Meinung, dass Herr Vettel trotz seiner Jugend und trotz der wenigen Jahre, die er im Geschäft ist, eine überragende Stellung hat. Die Biographie ist mit den Fotos und mit der Geschichte toll geworden.“


Motorsport/Rennsport
1. Pierre van Vliet: Jacky Ickx. Delius Klasing, 39,90 €.
„Man muss sich nur die Titelseite des Buches anschauen, dann weiß man, dass man hineinschauen möchte.“

2. Erich Kahnt/Michael Thier/ Ulrich Trispel/Robert Weber: Porsche Kremer – Eine Erfolgsstory 1962–2012. Petrolpics Verlag, 89,00 €.
„Eine unglaubliche Arbeit. Kremer war über Jahrzehnte eine der ganz großen Firmen im deutschen Motorsport, und dieses Buch erzählt wirklich die „Erfolgsstory“.“

3. Reinald Schumann: Motorrad-Straßen-Rennsport in Deutschland 1946–1950: Deutscher Straßenrennsport nach der Stunde Null. Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, 79,00 €.
„Der Titel klingt unendlich mühsam, es ist aber erneut eine dieser Fleißarbeiten, die ich gerne mit dem Adjektiv „wahnsinnig“ apostrophiere. Der Verlag Monsenstein & Vannerdat hat damit ein ganz wichtiges Stück deutscher Motorsport-Historie gerettet, denn in ein paar Jahren wird es die Leute nicht mehr geben, die diese Geschichten erzählen können.“
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Sonderpreise
Wolf Wegener: Deutschland schafft das Auto ab. Rosenheimer Verlagshaus, 16,95 €.
„Es ist dringend notwendig, dass auch jemand, der überzeugt ist von bestimmten Dingen, fern jeder politischen Korrektheit die Stimme erhebt und bestimmte Punkte einfach anspricht. […] Es ist gelungen, einmal wieder ins Bewusstsein zu rufen, was das Auto, was Mobilität mit dem Auto eigentlich für uns darstellt und wie leichtfertig wir hier über manche Dinge hinweggehen, in dem Glauben, es sei politisch korrekt.“ (Thomas Burkhardt)

Ulrich Biene: Die Siku-Story – Lebendige Autoträume aus Kindertagen. Delius Klasing, 29,90 €.
„Auch ein Buch das zeigt: Besessenheit ist nicht nur das Auto an sich, sondern drückt sich auch in allem drumherum aus.“ (Thomas Burkhardt)

Andreas K. Vetter: Haus & Auto. Callwey Verlag, 59,95 €.
„Ein tolles, neues Thema, das in dieser Form noch nicht publiziert worden ist.“

Stephan Schwarz: Krötenmord. Capscovil Verlag, 15,95 €.
„Ein Kriminalroman, der im Auto-Milieu spielt. Den Ansatz fanden auch die Kollegen einfach prima und meinten: Dafür sollte man einen Preis verleihen.“
http://www.capscovil.com/

Matthias Bartz: Dino Compendium 206gt 246gt 246gts. Verlag Matthias Bartz, 160,00 €.
„Ein Thema, das in dieser Form noch nie bearbeitet wurde. Dieses Buch beschreibt alles, was es über den legendären Ferrari Dino gibt. Das Buch ist eine Fleißarbeit sondergleichen!“

Felix Wankel: Einteilung der Rotations-Kolbenmaschinen (Faksimile und Kommentarband). Pagma Verlag, 44,95 €.
„Felix Wankel hat Jahrzehnte damit verbracht, sich alles auszudenken, was nur irgendwie ineinander greifen kann. Das Original dieses Buches war ganz schnell vergriffen. Der Pagma Verlag hat es wieder zugänglich gemacht und die Jury wollte sich einfach dafür bedanken, dass dieses Stück Geschichte gerettet wurde und nicht mehr mühsam in Antiquariaten gefunden werden muss.“

Roland Löwisch: Auto-Mobilität. Wie der Mensch das Laufen verlernte – 500.000 v.Chr. bis heute. Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, 149,00 €.
„Roland Löwisch behauptet, er habe an seinem Buch 15 Jahre gearbeitet. Ich glaube, es waren 25. Denn die Fülle an Fakten, die der Autor da auf 400 Seiten zum Thema Automobilgeschichte kann man nicht in 15 oder oder 18 Jahren zusammentragen. Da braucht man wahrscheinlich sein Leben lang Zettelkästen. Es ist ein Wahnsinnswerk, in positivem Sinne.“
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